Unerwartet verschoben sich die Distanzen. Die Veränderungen schlichen sich rasend schnell unter der Türe durch in unsere Nähe. Sie waren gekommen, um zu bleiben. Risikogruppe sein, zu Hause bleiben, denn draussen spuckt der Tod ansteckende Tröpfchen in alle Richtungen. Wir winken ihm trotzig zu, mit wund geschrubbten Händen. Wir hocken im Reduit, wie unsere Grossväter. eingebunkert hinter Stapeln von Raviolibüchsen.

In die Ferne hingegen rückten die Freiheiten, die kleinen Gewohnheiten, hier ein Schwatz, dort ein gemeinsamer Kaffee. Eine Fahrt mit dem Tram, eine Reise, ein festlicher Abend. Irgendwo im fernen «Ich weiss nicht wann» soll die Normalität auf uns warten, eine Normalität, die vielleicht sogar die unbeschwerte Vergangenheit spiegeln wird.

Näher gerückt ist die «Deadline». Bisher war die vermutete Lebensdauer eines Organs, der transplantierten Niere, der kalkulierte zeitliche Horizont. Heute schwebt die Bedrohung einer gefährlichen, schnellen Ansteckung um uns herum wie ein Schwarm Killerbienen, frisst die verbleibende Freiheit weg.

Doch uns geht es gut. Die Welt ist digital. Nichts fehlt. Hilfsbereite Leute machen unser Überleben möglich. Man schaut zu uns. Und wenn nichts mehr hilft, haben wir ja noch als Zuflucht die weissen Berge des WC-Papiers.