Endlich ein Abstimmungsthema für alle: Gebühren zahlen oder alles für nix? Jeder, jede hat eine Meinung, manche sogar eine eigene. Die Kommentare in den Medien schlagen Purzelbäume, Fake-News machen die Runde, werden hüben aufgesogen und drüben zerpflückt. Heimat oder Swissness? Zwangsgebühren oder Werbekuchen? Freiheit oder Freiheit? Es ist wie Zirkus ohne Programm – und ich weiss nicht, welcher Clown mich mehr amüsiert.

Dabei begann alles so beschaulich, mit dem Zeitzeichen von Neuenburg. Am Mittagtisch bedeutete das absolutes Mucksmäuschenstill: Nachrichten von Beromünster. Danach wurde das imposante Röhrenradio wieder ausgeschaltet, die Kiste blieb stumm bis am Abend, etwa für das Wunschkonzert oder ein Hörspiel. Der Grossvater vertiefte sich am Sonntag in die Radiopredigt, der Onkel ereiferte sich bei einer Fussballübertragung und die Mutter bügelte zu beschwingter Tanzmusik. Früher halt.

Später dann die erste eigene Wohnung, das erste eigene Telefon, mein Radio. Sogar ein kleiner Fernseher gehörte zum Stolz, auf eigenen Beinen zu stehen. Dass dafür Gebühren fällig wurden, wurde nicht hinterfragt.

Die vertrauten Stimmen der Moderatorinnen und Moderatoren holten einem frühmorgens aus dem Bett und begleiteten uns durch die Nacht. Für alle kam etwas aus den Apparaten. Und wenn etwas nicht passte, schalteten wir ab - und gut wars.

Das Rad der Zeit drehte immer schneller: Plötzlich gab es mehr Sender, mehr Sendungen. Vertrautes verschwand, neues wurde vertraut. Die Palette wurde immer breiter. Und die Werbung hielt Einzug – aus meiner Sicht ein Sündenfall. Gebühren, die ich persönlich und gezielt für Dienstleistungen entrichtete, wurden ergänzt mit Werbeeinblendungen. Plötzlich hatte ich nicht mehr nur die Medienleute zu Hause auf dem Sofa, sondern eben auch Firmen, die mir irgendwelche Produkte andrehen wollten. Und die sich immer breiter machten, immer lauter schrien, die meinen TV-Abend unterbrachen.

Billag oder Nobillag, was besser sein soll, wird sich zeigen. Ich weiss aber, dass ich lieber eine feste Gebühr bezahle als mich mit pseudogratis Reklame zumüllen zu lassen.

Und wenn nichts mehr hilft, habe ich einen Vorschlag aus der Praxis: Als junger Mann sah ich in einem Londoner Hotelzimmer einen Fernseher stehen, der mit Münzen gefüttert werden musste. War das Guthaben aufgebraucht, schaltete er ab. Das wäre doch ein Neuanfang in der Debatte, oder?