Das Thema "1968 Schweiz" lockt mich ins Historische Museum Bern. Ich war damals 15 Jahre alt, in Dauerrebellion gegen alles und alle - ein typischer Teenager seiner Zeit halt. Der Flyer des historischen Museums trifft die Stimmung genau:

Die 1960er-Jahre in der Schweiz: Das Zusammenleben ohne Trauschein ist verboten. Langhaarige Männer werden in Restaurants ignoriert. Frauen haben kein Stimm- und Wahlrecht. Homosexuelle werden polizeilich registriert. Die Enge der Nachkriegszeit ist für viele unerträglich.

Aufgewachsen zwischen dem beschaulichen Wabern und dem bewegten Bern ging ich in der Stadt zur Schule und war bald einmal mittendrin. Unterwegs mit offenen Augen und viel Neugier, in Cliquen und Beizen ritt ich auf der Welle der Veränderung. Die Schule, und wohl auch einige damalige Respektspersonen haben wohl darunter gelitten.

Döschwoh vor Kinderkrippa im Altenberg Bern

Ich schwebe durch die magische Welt der Ausstellung, begebe mich auf eine Zeitreise. Ich vergleiche die Fakten und die Zeitzeugen mit meiner Geschichte, merke, wo ich die Vergangenheit idealisiere. Begegne Unerwartetem, das ich längst vergessen glaubte. Wie jung wir damals waren, wie bunt das Leben! Eine Gruppe älterer Herren und ein zwei ergraute Frauen ergeben sich in das Mantra des "Weisch-no?" Wie jung und wild sie wohl damals ausgesehen haben? Was ist geblieben von unserer Flucht aus der Enge? Tausende Episoden, Siege und Niederlagen suchen das Licht.

Langsam klettere ich die Treppen zum Ausgang hoch. Eine Gruppe Schülerinnen und Schüler drängen sich an mir vorbei, lachen, scherzen, flirten. Was sie wohl in der Ausstellung finden werden? Wie wird ihr "Bern 2018" aussehen, beim Rückblick in 50 Jahren?

Infos zur Ausstellung unter www.bhm.ch